Wer einen Vortrag hält, muss sich über längere Zeiträume konzentrieren. Vor Redebeginn können Übungen helfen, mit denen man die Synapsen zwischen den beiden Gehirnhälften aktiviert. Das erhöht die Konzentrationsfähigkeit. Wie das geht? Zum Beispiel, indem man beide Augen schließt und sich ein großes schwarzes X vorstellt. Zusätzlich überkreuzt man Füße und Arme. Eine andere Kreuzübung besteht darin, die linke Hand und das rechte Knie vor dem Körper zusammenzubringen und umgekehrt. Manager drücken zur Konzentrationsförderung während eines Vortrags auch oft die Fingerkuppen beider Hände zusammen.

– Angelika Schönepauck, Entspannungspädagogin aus Straelen. ZEIT Campus, Nr. 2/2008, SERVICE SPEZIAL-Beilage, S.6.


Die beste Untermalung für die nun folgenden Inhalte sind anschauliche Gesten, die zum Gesagten passen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Hände; sie haben mehr Verbindungen zum Gehirn als alle anderen Körperteile.

— Monika Matschnig, Expertin für Körpersprache aus Neufahrn bei Freising. ZEIT Campus, Nr. 2/2008, SERVICE SPEZIAL-Beilage, S.6.


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ZEIT Campus: Bei Ihnen ist also der Wunsch, im Bett zu bleiben, nicht so stark wie das Motiv: Ich muss meine Pflicht tun?

Roth: Die Entscheidung zwischen Aufstehen und Liegenbleiben ist natürlich ein Kampf. Wie schwer der ist, bedingen zum größeren Teil die Gene und das Temperament, zum kleineren die Erfahrungen. Es gibt Menschen, die trainieren jahrelang das Frühaufstehen, aber ohne großen Erfolg.

ZEIT Campus: Wie trifft das Gehirn diese relativ einfache Entscheidung?

Roth: Das Gehirn funktioniert bei Entscheidungen und Verhaltenssteuerung auf vier Ebenen. Es gibt zunächst die untere limbische Ebene. Dort steckt das drin, was man als Temperament bezeichnet und was weitgehend genetisch bedingt ist. Eltern mit mehreren Kindern wissen, dass Menschen von Geburt an ein unterschiedliches Temperament haben. Auf dieser untersten Ebene des Gehirns heißt es dann zum Beispiel: Ich möchte lange schlafen. In der Ebene darüber, der mittleren limbischen Ebene, finden die Vorgänge der emotionalen Konditionierung sowie unsere individuelle und psychosoziale Erfahrung statt. Dort steckt auch der Antrieb, sich zusammenzureißen und gegen das Langschläfer-Temperament anzugehen. Dann folgt die obere limbische Ebene, die Ebene der bewussten sozialen Erfahrungen und der Verhaltensregeln. Dort fällt einem ein, was man alles noch zu tun hat und dass man jetzt wirklich rausmuss. Darüber gibt es eine vierte, kognitiv-rationale Ebene, aber die spielt bei so einer Entscheidung keine Rolle.

ZEIT Campus: Wenn wir morgens aufstehen, findet also jedes Mal ein Kampf zwischen all diesen Ebenen statt?

Roth: Ja, zwischen Temperament, der emotionalen Konditionierung und der sozial motivierten Angst, dass mein Chef mich rauswerfen könnte, wenn ich zu spät komme.

ZEIT Campus: Was läuft dabei genau ab?

Roth: Die beiden unteren Ebenen geben weitgehend den Rahmen für die Vorgänge auf den höheren Ebenen vor. Ein Beispiel: Sie kriegen einen Anruf vom Chef, dass Sie morgen zu einen Termin nach München müssen. Leider hat auch Ihre Freundin Geburtstag. Die kognitive Ebene des Gehirns – ganz oben– erklärt Ihnen ganz unemotional, welche Alternativen Sie haben. Die bewusste emotionale Ebene eine darunter wägt die Konsequenzen ab: Was macht die Freundin, was der Chef bei einer Absage? Die wirklich wichtige Ebene liegt aber noch tiefer im Unbewussten: Dort spielen Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle, zum Beispiel Selbstwertgefühl oder Bindungsvertrauen. Wenn die Beziehung mit dem Lebenspartner die wichtigste Bindung in Ihrem Leben ist, könnten Sie panische Angst bekommen, verlassen zu werden. Oder Sie suchen Anerkennung, sind sehr karrierebewusst, dann fragen Sie sich, was aus Ihnen werden soll, wenn der Chef Sie rausschmeißt. Tief im Gehirn kämpfen frühkindliche Bedürfnisse miteinander.

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ZEIT Campus: Wie viele Faktoren kann das Gehirn überhaupt abwägen?

Roth: Auf unserer bewussten Ebene können wir maximal drei, meistens sogar nur zwei Faktoren miteinander verrechnen. Darüber wird eine Entscheidung qualvoll, da wir die Faktoren nicht mehr auf die Reihe kriegen. Es ist beeindruckend, wie begrenzt unser Verstand bei rationalen Entscheidungen ist. Mehr kluge Ratschläge sorgen also eher für weniger Klarheit.

ZEIT Campus: Trotzdem treffen wir auch komplexe Entscheidungen wie die Wahl eines Studienfachs. Dabei gibt es deutlich mehr als zwei Alternativen und unzählige Faktoren.

Roth: Es gibt einen Trick, die begrenzte Ebene des Bewusstseins zu umgehen, nämlich die Sache eine halbe Ebene nach unten zu schieben: aus dem Arbeitsgedächtnis ins Vorbewusste. Diese Ebene kann sehr viele Faktoren parallel miteinander verrechnen. Setzen Sie sich erst bewusst-rational mit den Argumenten auseinander, aber vertagen sie die Entscheidung. Lenken Sie sich ab, schlafen Sie drüber. Die vorbewussten, intuitiven Netzwerke in Ihrer Großhirnrinde erledigen den Job für Sie.

– Gerhard Roth, Gehirnforscher. ZEIT Campus, Nr. 2/2008, S.62, „Niemand ist frei“. Siehe auch hier.


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